Publiziert am 02. December 2015

Säule 3a Steuervorteil: Gut für Hausbesitzer, schlecht für alle unter 55

Wie Hausbesitzer profitieren und die anderen nicht

Der Artikel wurde kosmetisch verbessert (Mai, 2017).

Mit der Säule 3a können Hausbesitzer dank der Steuerbegünstigung eine gute Rendite von bis zu neun Prozent erzielen, wenn sie (a) die Einzahlungen sofort nach fünf Jahren (gesetzliche Mindestdauer im 3a Konto) herausnehmen und (b) hohen Einkommenssteuern unterliegen. Sparer, die länger als fünf Jahre sparen oder weniger als 30% Einkommenssteuern bezahlen, sehen kaum noch etwas vom viel gepriesenen Steuervorteil wie wir hier berechnet haben. Zudem ist man in das Säule 3a Korsett eingebunden, das viele Nachteile hat und aus dem man nicht entfliehen kann. So dürfen nicht-Eigenheimbesitzer das Geld bis zur Pensionierung nicht aus der Säule 3a nehmenn.

Säule 3a: Ein Vorteil, sechs Nachteile

Die dritte Säule hat einen Vorteil:

  1. Man bezahlt keine Steuern heute und am Schluss etwas weniger als man heute hätte bezahlen müssen

und viele Nachteile der Säule 3a:

  1. Man kann nicht so sparen, wie man will, denn die Optionen sind sehr beschränkt
  2. Man bezahlt für Anlagen in Aktien und Obligationen zu hohe Gebühren (Ausnahme Obermatt 3a Konto)
  3. Man kann über das Geld nicht verfügen, wenn man es braucht (ausser für Wohneigentum und ein paar andere Spezialfälle)
  4. Man hat einen ärgerlichen, administrativen Aufwand
  5. Man hat das Risiko, dass durch Wohnsitzverlegung ins Ausland bei der Auszahlung Steuern anfallen, an die man heute noch gar nicht gedacht hat
  6. Man hat das Risiko, dass die Steuern auf die Auszahlungen am Ende der Sparperiode höher als heute sein könnten

1 zu 6 gegen die Säule 3a. Man hat einen Vorteil und sechs Nachteile. Mit anderen Worten: Der Steuervorteil muss sehr gross sein, dass sich die 3. Säule lohnt. Diesen Steuervorteil haben wir hier ganz genau nachgerechnet. 

Wir haben dafür den Steuervorteil in eine Rendite, also eine Art Verzinsung auf die Einzahlung, umgerechnet. Diese “Steuer-Rendite” kann man zu den Zinsen auf dem 3a Konto oder der Rendite auf dem 3a Fonds hinzuzählen. Wenn die Steuer-Rendite positiv ist, lohnt sich das Sparen in der Säule 3a, wenn sie negativ is, lohnt sich die Säule 3a nicht.

Steuer-Rendite selber nachrechnen

In unseren Beispielen gehen wir von Auszahlungs-Steuern von 8% aus. Jeder Kanton besteuert die Auszahlung aus der 3. Säule anders und es spielt auch eine Rolle, ob und welcher Kirche man angehört und wie hoch die Auszahlung am Schluss ist. Zudem sind die Vermögenssteuern einzurechnen. Sie können Ihre eigene Situation ganz genau mit Excel hier selbst nachrechnen:

Tabellenkalkulation zum Selbstrechnen der Säule 3a

Säule 3a Zinskonto nur für reiche Hausbesitzer

Wie sieht nun der Steuervorteil auf dem klassischen 3a Zinskonto aus? Die Tabelle unten zeigt, wie hoch die jährliche Steuer-Rendite ausfällt und wieviel Franken man über die Jahre dank der Steuerbegünstigung erhält.

Anlagedauer (Jahre)10% (Grenzsteuern)20%30%40%
50.44%2.86%5.66%8.99%
in SFR1418431'5462'248
80.28%1.78%3.50%5.53%
in SFR1448621'5812'299
150.15%0.94%1.85%2.91%
in SFR1519081'6662'423
300.07%0.47%0.92%1.45%
in SFR1691'0161'8632'710

Die Zahlen in dieser Tabelle können Sie hier nachrechnen

Reiche Eigenheimbesitzer mit hohen Grenzsteuern, die das Geld nach fünf Jahren aus der 3. Säule nehmen, haben den grössten Vorteil von rund neun Prozent pro Jahr: Wer 40% Einkommenssteuern bezahlt, erhält im Säule 3a Konto über fünf Jahre gerechnet eine Rendite von 8.99%. Das sind bei einer jährlichen Einzahlung von 6'768 Schweizer Franken total 2'248 Franken. Reiche können in der Tat mit der Säule 3a etwas dazu verdienen. Wer aber nur 20% Steuern auf das Einkommen bezahlt, kann zum 3a Zins nur noch 2.86% Steuer-Rendite hinzu addieren (Annahme für die Verzinsung: 0.75%). Das sind nach fünf Jahren gerade noch einmal 843 Franken. Bei der Auszahlung gehen dann rund 200 Franken verloren, weil dafür Gebühren in dieser Grössenordnung anfallen. Netto hat man also für das Säule 3a Konto über die fünf Sparjahre rund 600 Franken erhalten. Wer das Geld auf dem 3a Konto vergisst und erst nach acht Jahren die Auszahlung vornimmt, hat die Steuer-Rendite auf 1.76% pro Jahr gesenkt und hat gerade mal 19 Franken mehr von der Steuerersparnis (19 = 862 - 843) für die zusätzlichen drei Jahre sparen.

Mit anderen Worten: Wer 20% Einkommenssteuern bezahlt und mit dem 3a Konto die Hypothek abzahlen will, muss die Einzahlung nach fünf Jahren sofort abheben. Das ist Arbeit: Grundbuchauszug besorgen, Bankunterschrift einholen, Unterschrift des Gatten nicht vergessen, Auszahlung verlangen und Steuerklärung richtig ausfüllen. Und nicht zuletzt: Hoffen, dass das in fünf Jahren überhaupt noch geht. Bern diskutiert gerade neue Einschränkungen der Kapitalauszahlungen. Für diese Arbeit und das nicht unbedeutende Risiko eines späteren Auszahlungsverbots oder gar neuer Steuern hat man über die ganzen fünf Jahre nur gerade einmal 600 Franken an Steuern gespart. Erst ab einer Steuerbelastung von 30% ist der Sparbetrag vierstellig. In der Wohngemeinde des Autors, Zollikon, braucht man dafür ein Einkommen von 200’000 Franken oder mehr. Es lohnt sich also nur für reiche Eigenheimbesitzer.

Die Berechnungen machen deutlich, dass der Steuervorteil etwas bringt, wenn das Geld so schnell wie möglich wieder ausbezahlt wird. Wer das Geld länger als fünf Jahre in der Säule 3a lässt, hat davon kaum noch einen Vorteil. Aus diesem Grund erzielen Sparer ohne Eigenheim praktisch in jedem Fall einen lächerlich tiefen Steuervorteil, denn sie können das Geld nicht sofort herausnehmen weil das gesetzlich verboten ist.

Wer heute fünfzig ist, 20% Steuern bezahlt und noch fünfzehn Jahre spart, hat nur noch gerade 0.94% Steuer-Rendite, also gerade einmal 60 Franken pro Jahr (908 Franken / 15 Jahre). Für Menschen unter fünzig sieht es noch schlimmer aus, denn sie sparen länger als 15 Jahre. Für Menschen ohne Eigenheim lohnt sich die 3. Säule daher definitiv nicht.

Negativer Steuervorteil bei Säule 3a Fonds

Wer auf einen 3a Fond setzt, bezahlt zwischen 1.0 und 1.7% Bankgebühren. Diese Gebühren löschen den Steuervorteil für Normalverdiener mit einer Steuerbelastung unter 20% praktisch vollständig aus, wie aus der Tabelle unten ersichtlich ist, denn bei einer Steuerbelastung von 10% sind die Steuer-Renditen negativ (Annahme für die Gebühren: 1.5%, Annahme für die Renditen 3.0%). Das Gleiche gilt auch bei einer Einkommenssteuer von 20% wenn länger als fünf Jahre gespart wird. Sogar Menschen mit hohen Steuern von 30% haben bei langen Anlagehorizonten eine negative Steuer-Rendite aus den 3a Fonds.

Jahre10%20%30%40%
5-0.96%1.56%4.47%7.92%
15-1.26%-0.37%0.64%1.79%
30-1.34%-0.85%-0.30%0.32%

Die Zahlen in dieser Tabelle können Sie hier nachrechnen.

Der 3a Steuervorteil wird mit Fonds zum Nachteil und die Rendite von der Steuerersparnis der Säule 3a zur negativen Belastung. Mit anderen Worten:

Wer in einen 3a Fond einbezahlt und weniger als 30% Einkommenssteuern bezahlt, schenkt der Bank den Steuervorteil und zahlt meist noch etwas drauf.

 

Säule 3a ist für die meisten Sparer schlecht

Die Entscheidung, ob die Säule 3a das Richtige ist, wird mit der hier berechneten Steuer-Rendite einfach. Man nimmt die erwartete Rendite der 3a Anlagevariante und zählt die Steuer-Rendite dazu. Wer 20% Steuern bezahlt und das Geld voraussichtlich 30 Jahre auf dem Konto lässt, hat eine Steuer-Rendite von 0.47%. Wenn das Zinskonto 0.75% Zins trägt, bringt die 3. Säule total 1.22% Rendite (Steuern plus Zinsen). Diese 3a Rendite kann man dann mit Renditen ausserhalb der 3. Säule direkt vergleichen. 

Auf diese Weise lässt sich noch besser beurteilen, ob sich das Hypotheken abzahlen mit der Säule 3a lohnt, denn man kann die Säule 3a Rendite direkt mit den Alternativen vergleichen.

Wer langfristig denkt, spart am besten mit Aktien. Geht man bei Aktien von einer konservativen Rendite von 5% aus, bei Obligationen, die in der Säule 3a erlaubt sind, von einer aktuellen Rendite von 1% (Durchschnitt 3.0%), dann ist die Selbstanlage in Aktien ausserhalb der Säule 3a auch dann die attraktivste Variante, wenn man das Geld nach fünf Jahren sofort wieder aus der Säule 3a herausnimmt, denn im Beispiel unten vergleichen wir die Steuer-Renditen über 5 Jahre bei Einkommenssteuern von 20% mit der Alternative der Selbstanlage in Aktien.

20% Steuern, 5 JahreSäule 3a ZinskontoSäule 3a FondsAktien Selbstanlage
Steuer-Rendite2.86%1.56%0.00%
Anlage-Rendite0.75%3.00%5.00%
Total3.61%4.56%5.00%

Interessant dabei ist, dass die Fonds mit 4.56% Rendite weniger als 1%-Punkt besser abscheiden als das Zinskonto mit 3.61%, denn die Bankgebühren fressen einen grossen Teil der Steuer-Rendite (Tabelle oben). Da scheint das zusätzliche Risiko der 3a Fonds kaum gerechtfertigt, denn ein Prozentpunkt mehr für das Risiko von Aktien und Obligationen is zuwenig.

Das sind natürlich alles nur Annahmen und man weiss, dass Aktienanlagen grössere Schwankungen haben als Obligationen oder 3a Zins-Konten. Jede Fünf-Jahres-Periode wird daher anders aussehen. Bei einigen Perioden wird die Selbstanlage besser sein, bei anderen wird sie schlechter sein. Langfristig gesehen spielt das aber keine Rolle, denn die Wellen gleichen sich über die Jahre hinweg aus, zumindest wenn man an den typischen 3a Anlagehorizont von dreissig bis vierzig Jahren denkt. 

Spart man Jahrzehnte, dann sind die Erträge mit Säule 3a Anlageprodukten deutlich schlechter als mit Anlageprodukten ausserhalb der Säule 3a:

20% Steuern 
30 Jahre Anlage
Säule 3a ZinskontoSäule 3a FondsAktien SelbstanlageIndexfonds
Selbstanlage
Steuer-Rendite0.47%-0.85%0.00%-0.35%
Anlage-Rendite0.75%3.00%5.00%5.00%
Total1.22%2.15%5.00%4.65%

Nach dreissig Jahren sind die Unterschiede zwischen Säule 3a Sparen und Selbstanlegen gross, weil die 3a Steuer-Renditen dann nur noch klein sind. 

Mit jährlichen Aktienanlagen im Umfang des Säule 3a Betrags kommen unter konservativen Annahmen bei der Selbstanlage rund 345’000 Franken zusammen (bei Indexfonds leicht weniger). Bei den aktuellen 3a Zinsen spart man beim gleichen einbezahlten Betrag rund 125’000 weniger, nämlich rund 220’000 (Quelle für die Berechnungen). 

Diese 125’000 Franken sind die Früchte im Alter, die man ernten darf, wenn man sein Anlagegeschick selbst in die Hand genommen hat und das Geld nicht in der unattraktiven 3. Säule schmort. Daher macht es Sinn, sich das Selbstanlegen in Aktien einmal genauer anzuschauen.

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